Leistungsspektrum

Reittherapie

Tiergestützte Therapie mit Pferden: Die heilende Kraft der Begegnung

Die tiergestützte Therapie mit dem Pferd ist weit mehr als nur „Reiten“. In der Praxis am Wimbach nutzen wir diese hochwirksame, ganzheitliche Therapiemethode als wertvolle Ergänzung zu den klassischen neurologisch-psychiatrischen Behandlungen.

Das Pferd fungiert dabei als sensibler „Co-Therapeut“. Durch sein feines Gespür für menschliche Emotionen und seine einzigartigen Bewegungsabläufe ermöglicht es therapeutische Erfolge, die in klassischen Praxisräumen oft nur schwer zu erreichen sind.

Der wissenschaftliche und neurobiologische Hintergrund

Die Wirksamkeit der pferdegestützten Therapie basiert auf zwei zentralen biologischen und neuropsychologischen Säulen:

  1. Die motorisch-sensorische Ebene (Hippotherapie-Prinzip):
    Die rhythmischen, dreidimensionalen Schwingungsimpulse des Pferderückens im Schritt übertragen sich direkt auf das Becken und den Rumpf des Patienten. Diese Bewegungsimpulse (ca. 90 bis 110 pro Minute) gleichen fast exakt dem menschlichen Gangbild. Das Gehirn des Patienten erhält dadurch ununterbrochen senso-motorische Reize. Dies stimuliert die Neuroplastizität des ZNS, reguliert den Muskeltonus, schult das Gleichgewicht und trainiert tief liegende Muskelgruppen.
  2. Die psychologisch-emotionale Ebene:
    Pferde spüren die Körpersprache, Muskeltonus und Herzfrequenz des Menschen sofort und spiegeln diese unvoreingenommen wider. Dieser direkte Spiegel hilft Patienten, die eigene Körperwahrnehmung und Emotionsregulation massiv zu verbessern. Zudem schüttet der direkte Körperkontakt mit dem Tier nachweislich das „Bindungshormon“ Oxytocin sowie Dopamin aus. Dies senkt den Spiegel des Stresshormons Cortisol, baut Ängste ab und stärkt das Selbstwertgefühl.

Indikationen (Anwendungsbereiche)

In unserer Praxis setzen wir die pferdegestützte Therapie gezielt bei folgenden neuropsychiatrischen Beschwerdebildern ein:

  • Neurologische Erkrankungen:
    • Multiple Sklerose (MS): Zur Regulierung von Spastiken, Verbesserung des Gleichgewichts und zur Sturzprophylaxe.
    • Morbus Parkinson: Zur Minderung von Rigor (Muskelsteifheit), Verbesserung der Schrittlänge und zur Förderung der Bewegungskoordination.
    • Nachsorge nach Schlaganfall oder Hirnblutungen: Zur Reaktivierung verloren gegangener Bewegungsmuster und Förderung der neuronalen Reorganisation.
  • Psychiatrische und psychosomatische Erkrankungen:
    • Depressionen & Burnout: Zur Aktivierung bei Antriebslosigkeit, zum Erleben von Selbstwirksamkeit, Steigerung des Selbstwertes und zur emotionalen Öffnung.
    • Angst- und Belastungsstörungen (z. B. PTBS): Zur körperlichen und mentalen Erdung, zum Abbau von Hyperarousal (chronischer Übererregung) und zum Wiederaufbau von Vertrauen.
    • ADHS im Erwachsenen- und Jugendalter: Zur Förderung von Fokus, Konzentration, klarer Strukturierung und Impulskontrolle.

Der Behandlungsablauf

  1. Ärztliche Indikationsstellung: Vor dem Start prüfen wir in der Praxis genau, ob die Therapie für Sie geeignet ist, und schließen Kontraindikationen (wie z. B. schwere Osteoporose oder akute Bandscheibenvorfälle) sicher aus.
  2. Individuelle Einheiten: Die Therapie findet in einem geschützten Rahmen auf einem kooperierenden Reiterhof statt. Sie umfasst – je nach Therapieziel – Bodenarbeit (Putzen, Führen, Beziehungsaufbau) sowie das geführte Reiten.
  3. Professionelle Begleitung: Sie werden während der gesamten Einheit von qualifiziertem therapeutischem Fachpersonal begleitet, sodass maximale Sicherheit und therapeutischer Nutzen garantiert sind.

⚖️ Kostenübernahme & Abrechnung

  • Private Krankenversicherungen & Beihilfe: Je nach Tarif und Indikation (insbesondere im neurologischen Bereich als physikalische Therapie oder im psychiatrischen Rahmen als übendes Verfahren) erstatten private Kassen die Kosten ganz oder teilweise. Wir erstellen Ihnen hierfür eine entsprechende ärztliche Notwendigkeitsbescheinigung.
  • Gesetzliche Krankenkassen (GKV): Die Reittherapie gehört leider nicht zum Standard-Heilmittelkatalog der GKV. In Ausnahmefällen z.B. Pflegestufe 1 ist eine Kostenbeteiligung über eine Einzelfallentscheidung oder im Rahmen von Präventions- und Rehabilitationsbudgets möglich. Sprechen Sie uns gerne an, damit wir die Möglichkeiten prüfen können.
  • Selbstzahler: Die Einheiten können selbstverständlich auch vollständig als individuelle Gesundheitsleistung (IGeL) gebucht werden.

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